Restposten und Sonderposten: So machen Händler daraus Marge
Restposten und Sonderposten: So machen Händler daraus Marge
Der Einkaufspreis sagt nichts über den Gewinn. Entscheidend ist, wie schnell die Ware wieder aus dem Regal ist.

- Restposten, Sonderposten und Aktionsware sind drei verschiedene Dinge mit drei verschiedenen Risiken.
- Der Rabatt ist nicht die Marge. Erst die Abverkaufsdauer entscheidet, ob sich ein Posten gerechnet hat.
- Faustregel: Was du nicht in sechs bis acht Wochen verkaufst, hättest du nicht kaufen sollen.
- Posten gehören auf die Aktionsfläche, nie ins Stammregal — sonst kannibalisieren sie dein Normalsortiment.
1. Restposten, Sonderposten und Aktionsware im Großhandel
Die Begriffe werden durcheinandergeworfen, obwohl sie unterschiedliche Risiken tragen. Wer im Restposten-Großhandel einkauft, sollte sie auseinanderhalten können — denn davon hängt ab, ob du nachbestellen kannst, wie groß die Menge ausfällt und wie viel Zeit dir bleibt.
| Warenart | Was dahintersteckt | Hauptrisiko | Nachkaufbar? |
|---|---|---|---|
| Restposten | Letzte Bestände einer Charge, eines Auslistungsartikels oder einer beendeten Edition. | Einmalig. Läuft der Artikel gut, kannst du nicht nachlegen. | nein |
| Sonderposten | Größere Mengen aus Überproduktion, Importüberschuss oder Umverpackungswechsel. | Menge. Der Posten ist oft größer, als dein Laden in vertretbarer Zeit dreht. | selten |
| Aktionsware | Regulärer Artikel, zeitlich befristet vergünstigt — Saisonstart, Neueinführung, Aktionszeitraum. | Gering. Du kennst den Artikel und kannst später normal nachbestellen. | ja |
| B-Ware | Ware mit Mangel an der Verpackung — gestaucht, verschmutzt, Etikett beschädigt. Der Inhalt ist einwandfrei. | Verkäuflichkeit. Beschädigte Pflichtangaben machen den Artikel unverkäuflich, nicht der Kratzer im Karton. | nein |
| Kurz-MHD-Ware | Ware mit nahem Mindesthaltbarkeitsdatum — kann jede der drei Formen annehmen. | Zeit. Der Abverkauf muss vor dem Datum durch sein. | nein |
Wie das im Sortiment aussieht



2. Die Rechnung, die über den Gewinn entscheidet
Der häufigste Denkfehler bei Posten: Der Rabatt wird mit der Marge verwechselt. Ein Posten zu 50 Prozent unter Normalpreis klingt nach doppeltem Gewinn — bringt aber Verlust, wenn die Hälfte nach vier Monaten noch im Lager steht. Rechne deshalb immer mit drei Größen statt mit einer.
Rechenbeispiel: derselbe Rabatt, zwei Ergebnisse
Zwei Posten, beide 40 Prozent unter dem üblichen Einkaufspreis, beide 600 Verkaufseinheiten. Der Unterschied liegt allein in der Drehzahl.
| Posten A · Trendartikel | Posten B · Nischensorte | |
|---|---|---|
| Menge | 600 Stück | 600 Stück |
| Rabatt auf den Einkauf | 40 % | 40 % |
| Verkauf pro Woche | 75 Stück | 15 Stück |
| Abverkaufsdauer | 8 Wochen | 40 Wochen |
| Kapital gebunden über | 2 Monate | gut 9 Monate |
| Bewertung | guter Posten | teurer Lagerplatz |
Rechenbeispiel zur Veranschaulichung, keine Preisangabe. Deine tatsächlichen Konditionen und Abverkaufszahlen hängen von Standort, Sortiment und Saison ab. Einkaufspreise siehst du nach der Freischaltung als Gewerbekunde.
3. Wie viel Posten verträgt dein Laden?
Posten sind kein Sortiment, sondern eine Beimischung. Sie brauchen Fläche, die dein Stammsortiment sonst hätte, und binden Kapital, das beim Nachschub fehlt. Wer als Wiederverkäufer Sonderposten im Großhandel einkauft, unterschätzt genau das am häufigsten. Diese Orientierung hat sich bei unseren Kunden bewährt:
Unsere Top-Angebote und die Neuheiten sind nachbestellbare Ware — läuft ein Artikel, kannst du nachlegen statt zuzusehen, wie der Posten ausgeht.
4. Woran du einen guten Posten erkennst
Bevor du zusagst, klär diese sieben Punkte. Fehlt eine belastbare Antwort, ist das Angebot kein Schnäppchen, sondern ein Risiko.
Das ist der Punkt, an dem Postenkäufe am häufigsten scheitern. § 2 Absatz 1 der Lebensmittelinformations-Durchführungsverordnung (LMIDV) verlangt, dass Lebensmittel beim Inverkehrbringen in deutscher Sprache gekennzeichnet sind, soweit die Kennzeichnung nach der LMIV verpflichtend ist. Welche Angaben das sind — Bezeichnung, Zutatenverzeichnis, Allergene, Nährwertdeklaration und Mindesthaltbarkeitsdatum — regelt Artikel 9 der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011.
Die einzige Ausnahme von der deutschen Sprache betrifft den Flugverkehr und spielt im Ladengeschäft keine Rolle. § 5 LMIDV führt Verstöße gegen diese Kennzeichnungspflicht als Ordnungswidrigkeit auf. Ein Importposten ohne deutsche Kennzeichnung ist damit unabhängig vom Preis nicht verkaufsfähig — es sei denn, du bringst die Angaben selbst rechtskonform an.
Fundstellen: § 2 LMIDV · § 5 LMIDV · BVL: Pflichten als Lebensmittelunternehmer
5. Platzierung: warum Posten nicht ins Stammregal gehören
Ein Posten im normalen Regal macht zwei Dinge falsch: Er nimmt einem Artikel den Platz, der zuverlässig verkauft — und er wird nicht als Gelegenheit wahrgenommen, weil ihn nichts vom Rest unterscheidet.
- Eigene Fläche im Eingangsbereich oder an der Kasse
- Sichtbares Schild mit Preis und dem Wort, das zieht: befristet
- Korb oder Aufsteller statt Regalreihe — Stapelware wirkt günstig
- Alle zwei bis drei Wochen wechseln, damit Stammkunden hinsehen
- Eingeräumt zwischen den Stammartikeln derselben Warengruppe
- Ohne Schild — der Kunde erkennt den Vorteil nicht
- Monatelang unverändert an derselben Stelle
- Zum Normalpreis, weil man den Rabatt selbst behalten will

6. Die typischen Fehler beim Postenkauf
7. Häufige Fragen zu Restposten und Sonderposten
Die OEZ Trade GmbH beliefert Kioske, Spätis, Tankstellen und Automatenbetreiber aus Bielefeld und betreibt dort einen Lagerverkauf. Die Erfahrungswerte in diesem Beitrag stammen aus den Gesprächen mit Händlern, die Aktionsflächen bewirtschaften — nicht aus einer Modellrechnung.
- Das Rechenbeispiel ist eine Veranschaulichung mit gerundeten Werten, keine Preisangabe und keine Zusage.
- Acht Wochen, 10 bis 15 Prozent, 1 bis 6 Posten sind Planungsrichtwerte aus der Praxis — bewusst konservativ angesetzt.
- Deine Konditionen siehst du als freigeschalteter Gewerbekunde im Shop.
Dieser Beitrag ist eine kaufmännische Einschätzung aus Händlersicht. Er ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Unternehmensberatung. Die Prüfung der für dich geltenden Vorschriften — insbesondere zur Kennzeichnung von Lebensmitteln — bleibt deine Aufgabe als Gewerbetreibender.
Der größte Nachteil eines echten Postens ist, dass er endet. Läuft der Artikel, stehst du ohne Nachschub da. Unser Importsortiment mit 325 Artikeln bietet denselben Überraschungseffekt im Regal — nur dauerhaft lieferbar.
Aus Ostwestfalen? Dann sieh dir Aktionsware im Lagerverkauf in Bielefeld vor dem Kauf an.
Einkaufspreise, Gebindegrößen und Staffeln sind Gewerbekunden vorbehalten. Freischaltung mit Gewerbeanmeldung und USt-IdNr., in der Regel innerhalb eines Werktags. Du suchst einen bestimmten Posten? Schreib uns, was du suchst →
MHD-Ware richtig verkaufen: Was Händler beachten müssenRechtslage, Kalkulation und Preisauszeichnung bei kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum.Lesen →
Die 5 Sortimentsfehler, die Händlern am meisten Marge kostenWoran im laufenden Betrieb am häufigsten Marge verloren geht.Lesen →
Kiosk-Sortiment: Die Erstbestückungs-Liste für HändlerWarengruppen, Sortenzahl und Budgetverteilung für die erste Bestellung.Lesen →
Großhandel für Kiosk: Sortiment, Gebinde und KonditionenWelche Warengruppen dein Kiosk braucht und in welchen Gebinden du sie einkaufst.Lesen →
Lagerverkauf Bielefeld: Cash & Carry für HändlerNachschub vor Ort abholen, statt auf die Lieferung zu warten.Lesen →
Kiosk eröffnen: Welches Sortiment du wirklich brauchstKosten, Genehmigungen und Checkliste für die Neugründung.Lesen →
Türkische Lebensmittel im GroßhandelWelches Sortiment sich für Händler mit türkischer Kundschaft lohnt.Lesen →
Pfand und Kennzeichnung bei ImportgetränkenWann Importware pfandpflichtig ist und wer das Pfand schuldet.Lesen →
Späti eröffnen: Welches Sortiment sich abends und nachts verkauftWelche Warengruppen nach 20 Uhr drehen und wie viel davon gekühlt sein muss.Lesen →